[Buecher] Mi, 21.6.06 - Mama
"Greeteings, brother," he said. "Think you could manage to help a friend?"
I handed over the fifty cents I'd planned to spend on coke and potato chips, and then I leaned against a post, watching this hippie and studying his ways.
[...]
I watched for half an hour, and then the cashier came out, fluttering his hands as if they were whisk brooms. "We can't have you hassling the customers," he said. "Go on, now. Scoot."
Hassle was a young person's word, and coming from a full-grown man, it sounded goofy, reminding me of the way movie cowboys used the word amigo. I wanted the hippie to stand up for himself, to say, "Cool it, Baldie," or "Who's hassling who?" but instead he just shrugged. It was almost elegant, the way he picked himself up off the ground and crossed the parking lot to what was most likely his parents' car. It didn't matter that he probably lived at home, criticizing the system during the day and sleeping each night in a comfortable bed. He'd maybe put my quaters towards some luxury - incense maybe, or guitar strings - but that was no big deal, either. He was a grown-up's worst nightmare, and, minus the hat, I wanted to be just like him.
David Sedaris - Dress Your Family in Corduroy and Denim
[Buecher] Sa, 18.12.04 - Mama
(Die Zugfahrt am Mittwoch ist gerettet)
[Buecher] So, 22.8.04 - Mama
Wenn ich über mich selbst spreche, gerate ich leicht in Verwirrung. Immer wieder stolpere ich über das Paradox der uralten Frage „Wer bin ich?“. Natürlich gibt es keinen anderen Menschen auf der Welt, der über so viele Informationen über mich verfügt wie ich, der mehr über mich erzählen könnte als ich. Aber wenn ich von mir erzähle, kommt es unweigerlich dazu, dass ich als Erzähler durch verschiedene Faktoren – meine Wertvorstellungen, meine emotionalen Eigenarten und meine Perspektive als Beobachter – mein erzähltes Ich beeinflusse und beschneide. In welchem Maß entspricht mein von mir erzähltes Ich überhaupt noch den objektiven Fakten? Diese Frage hat mich schon immer beschäftigt.
Die meisten Menschen scheint sie jedoch nicht zu belasten. Sooft sich die Gelegenheit bietet, geben sie bereitwillig und mit Erstaunlicher Offenheit über die eigene Person Auskunft. Häufig hört man Sätze wie:“Ich bin jemand, der so ehrlich ist, dass es schon an Dummheit grenzt“, oder:“Als sensibler Mensch habe ich es im Leben nicht leicht“, oder:“Ich bin sehr empfänglich für die Stimmungen anderer“ und so fort. Doch dann kann man beobachten, wie der „sensible Mensch“ andere unentwegt und ohne ersichtlichen Grund verletzt. Oder der Ehrliche dreist auf seinen Vorteil bedacht ist und die für die „Stimmung anderer Empfänglichen“ den albernsten Schmeicheleien erliegen. Wie gut kennen wir uns selbst?
Je mehr ich über diese Frage nachdenke, desto größer werden meine Vorbehalte, über mich selbst zu schreiben. Dagegen drängt es mich, etwas mehr oder weniger Objektives über die Wirklichkeit dessen zu erfahren, was außerhalb von mir existiert. Ich möchte begreifen, welchen Einfluss bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres nehmen, wie sie integrieren und mich dennoch im Gleichgewicht halten kann.
Haruki Murakami – Sputnik Sweetheart
[Weil es neulich Thema war: Das Buch wurde direkt aus dem japanischen ins deutsche übersetzt][Buecher] Sa, 12.6.04 - Mama
Freie Buchdownloads
www.mixburnrip.deDie beiden Bücher mit den Titeln „Freie Netze“ und „Mix, Burn & R.I.P.“ stammen aus der Telepolis-Buchedition des Heise-Verlags. Sie werden im Netz unter den Bedingungen einer Creative Commons-Urheberrechtslizenz veröffentlicht, die das nichtkommerzielle Weiterverbreiten der Werke ausdrücklich erlaubt. Wer mag, kann die elektronischen Ausgaben der Bücher beispielsweise über P2P-Netze austauschen oder per E-Mail an Bekannte verschicken.
www.freifunk.net
Sehr sehr feine Geschichte. Und das gerade Mix, Burn & R.I.P. dabei ist passt natürlich wie die Faust aufs Auge.
[Buecher] Mi, 12.5.04 - Mama
Aus "Milan Kundera – Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"Alle aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen bilden das Wort Mitgefühl aus der Vorsilbe com- und dem Wort, das ursprünglich "Leiden" bedeutete: passio. Andere Sprachen, so das Tschechische, das Polnische und das Schwedische, drücken diesen Begriff durch ein Substantiv aus, das aus der Vorsilbe Mit- und dem Wort "Gefühl" besteht (tschechisch sou-cit, polnisch wspol-uczucie, schwedisch medkänsla).
In den aus dem Lateinischen hervorgegangen Sprachen bedeutet das Wort compassio: wir können nicht herzlos den Leiden eines anderen zuschauen; oder: wir nehmen Anteil am Leid des anderen. Aus einem anderen Wort mit ungefähr derselben Bedeutung (französisch pité, englisch pity, italienisch pietà usw.) schwingt sogar unterschwellig so etwas wie Nachsicht dem Leidenden gegenüber mit:"Avoir de la pitié pour une femme" heißt, dass wir besser dran sind als diese Frau, uns zu ihr hinabneigen, uns herablassen.
Aus diesem Grund erweckt das Wort Mitleid Misstrauen: es bezeichnet ein schlechtes Gefühl, das als zweitrangig empfunden wird und nicht viel mit Liebe zu tun hat. Jemanden aus Mitleid zu lieben heißt, ihn nicht wirklich zu lieben.
In den Sprachen, die das Wort nicht aus der Wurzel "Leiden", sondern aus dem Substantiv "Gefühl" bilden, wird es ungefähr in demselben Sinn gebraucht; man kann aber nicht behaupten, es bezeichne ein zweitrangiges, schlechtes Gefühl. Die geheime Macht seiner Etymologie lässt das Wort in einem anderen Licht erscheinen, gibt ihm eine umfassendere Bedeutung: Mit-Gefühl haben bedeutet, das Unglück des anderen mitzuerleben, genausogut aber jedes andere Gefühl mitempfinden zu können: Freude, Angst, Glück und Schmerz. Dieses Mitgefühl (im Sinne von soucit, wspoluczucie, medkänsla) bezeichnet also den höchsten Grad der gefühlsmäßigen Vorstellungskraft, die Kunst der Gefühlstelepathie; in der Hierarchie der Gefühle ist es das höchste aller Gefühle.




