Samstag ist Fuckparade. Dazu ein Interview in der Taz mit Veranstalter Martin Kliehm:
Eine der politischen Forderungen der Fuckparade ist das Recht auf Party. Was heißt das genau? Es soll keine Kriminalisierung geben von Leuten, die einfach nur eine Party machen. Punkt. Leute, die eine Party machen, machen nichts Kriminelles und sie machen es auch nicht zum Selbstzweck, weil es so toll ist, was illegal zu machen. Sie machen es aus der Notwendigkeit heraus, dass es keine Räume gibt, dass man in die normalen Clubs nicht reinkommt oder deren Konzepte zu kommerziell sind. Die Oberfinanzdirektion, die damals auch Eigentümerin vom Bunker war, hat überhaupt kein Interesse, Zwischenmietverträge abzuschließen. Warum macht man keinen Raumpool für leer stehende Industriegelände und schafft so die Möglichkeit, Räume zu erschließen, temporäre Konzessionen zu erteilen und diese eines Tages vielleicht in langfristige Konzessionen zu überführen?
Ja, warum eigentlich nicht?
Knallhart politisch, echt.
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Naja, es hat schon ein sehr politisches Moment. Es geht ja im Grunde um die Nutzung von öffentlichem Raum und die Kommerzialisierung desselben. Da geht es ja um vielmehr als nur um die Party die man ungestraft in der Abrisshütte nebenan schmeissen darf.
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Es geht ums Geschäft. In München gibt es ja auch Herrn Nöth, der beste Kontakte zum Rathaus hat und unter dessen Händen sich jede Industriebrache in pures Gold verwandelt.
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Andersrum gibts auch Leute, die wirklich kreative Parties schmeissen, fast nix dabei verdienen, viele Leute mit dieser Party glücklich machen und als Belohnung eine Anzeige bekommen, weil sie halt einen leerstehenden Keller benutzt haben. Zwischennutzungskonzept finde ich gut.
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Klaro. Ich mein: Gibt es in Berlin so viele Crackdowns staatlicherseits?
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Es hält sich in Grenzen. Meistens kriegen sie wohl eh nix mit. Aber es gab halt schon so Szenen, dass sie den DJ in Handschellen abgeführt haben. Andererseits hab ich es auch schon mitbekommen, dass sie unverrichteter Dinge wieder abgezogen sind und die Party lief weiter.
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hat da jemand F#¤! gesagt ?
Was für ein Blafasel aus Reizwörtern und Protestbedürfnis auf der Seite.
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Nicht wirklich hochtrabend, die Formulierungen. Aber was stört sie genau am Inhalt? Oder meinen sie, dass selbiger einfach nicht anwesend ist?
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Mich stört die oberflächliche, obendrein inkonsistente und rundumparolenhafte Argumentation. T-Shirt Aktionismus. Schnell die Musik aufdrehen und Bier ausschenken und alles fügt sich so schön zusammen. Che trifft Attac. Revolution, Prost.
Für das Recht auf Nutzung des öffentlichen Raumes und selbstbestimmtes Leben.
Das soll die Demokratie sichern, trotz aller bürokratischer Auswüchse. Selbstbestimmung des einen ohne Beschneidung selbiger beim Nächsten.
Stoppt die Ausgrenzung und Kriminalisierung kultureller Minderheiten: Keine Party ist illegal!
Bis zum Doppelpunkt fein, konsensfähig und ohne konkrete Vorschläge dahinter. Danach, nur noch albern.
Gegen eine Einengung des Demonstrationsrechts
Demonstrieren ist gesund und macht Spass.
Stoppt den Sicherheitswahn!
Einverstanden. Wie ? Drauflos ?
"[..] selbstbestimmte ausdrucksform von pazifistischen protest [..]", freie meinungsäusserung, freiheit,
Demokratie ? Weltfrieden ? gegen Globalisierung ? ... Alles richtig. Ein wenig zu viel vielleicht, um in die nötige Richtung zu laufen.
wir benötigen keine behörden, die uns vorschreiben wollen, was eine sogenannte aussenwirkung hat und was nicht. uns interessieren auch keine schwammig formulierten behördenparagraphen, die nach gutdünken und sympathien hin und her interpretiert werden.
Keine Gesetze oder eindeutige, harte ? Wieder keine Vorschläge. Hauptsache es klingt und beschwingt. Singt mit: Freizeit, Freizeit, ist die einzige die fehlt ...
wir sehen uns als subkultur, als gesellschaftlich nicht verwertbarer auswurf der sogenannten hohen kultur, die in unserem land immer noch unzeitgemäß mit millionen subventioniert wird. subkultur? sind wir denn wirklich noch die subkultur? [..]
Was jetzt, Subkultur oder nicht ? Wer ist wir ? Wir wollen auch was abhaben !?
... etc.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Nichts gegen Parties, nichts gegen Neues & Kreativität, nichts für die Borniertheit des Etablierten und viel für einige der Events & Künstler. Aber eine Fuck-wir-brauchen-eine-politische-Botschaft-Parade die im 7. Jahr Bedeutungsschwangerschaftsstreifen zeigt, stört mich. Ich finde es schade, dass Schlagworte und allgemeine, politische Zielformulierungen mit Wohlklang, die einem Stammtischbrainstorming entsprungen sein könnten, den Einsatz für die zugrunde liegenden Werte in Festivalstimmung ersäufen.
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Ihre Kritik ist durchaus berechtigt. Ich würde auch sehr viel anders sagen, als es da steht. Oder gar nicht. Aber ich kann ja hingehen und es anders sagen. Das steht ja nicht da mit der Überschrift:"Die wissenschaftlich nachgewiesene Meinung aller Teilnehmer". Wegen Festivalstimmung: Ich muss zugeben, dass ich hauptsächlich hingehe, weil einfach geiler Drum&Bass da laufen wird und es eine Super Party ist. Aber wenn man das auf die Strasse trägt, diese ungewohnten Klänge - Lärm in den Ohren vieler - und dabei einfach Freude ausstrahlt, ist das auch schon Protest? Vielleicht nicht. Aber ein Zeichen. Ein heben des Fingers - Hallo! Wir sind auch da! - eine Demonstration für die Musik, die Party, das andere kulturelle Leben. Das ist der Kern der Veranstaltung, die Punkte die gegen irgendwas sind, sind nach meiner Meinung zweitrangig.
Es ist aber schon wahr, dass die plakativen politischen Statements etwas alibimässig daherkommen.
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Speaking of D&B... Am Freitag hier mit dem Mann gesprochen, der die Visuals für die Liquid Nights hier im Schiffbau designt, inkl. Kostprobe. Seeehr fein!
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@mama
Festivalstimmung geht in Ordnung, Musik auch und Party erst recht. ;-)
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@gHack: In der Schweiz geht schon ein bisschen was mit Drum&Bass, oder? Bei alt.music.jungle hing immer einer von breakbeatlounge.ch rum, der ist allerdings aus Basel.
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Ja, fein. Party als maximale poltische Bewegung. Das hat der gute Westbam mit seiner "Raving society" (ich muss selbst 10 Jahre später noch lachen) schon mal versucht.
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Westbam...schüttel
Aber Party als politische Bewegung ist doch schonmal mehr als nix. Kann man sicher streiten ob das noch politisch ist.
Kann man sich lange den Kopf drüber zerbrechen: Taugt Musik, hier in der Regel ohne Texte, als politisches Ausdrucksmittel? Ich denke schon, aber dabei kommt es immer sehr auf die Rezeption an. Für mich hat Drum&Bass nunmal eine andere Bedeutung als für meine Mutter. Bei mir schwingt immer gleich ein Vibe mit, der von offener Partyathmosphäre und Multikultureller vielfalt geprägt ist. Ein Raum in dem für Rassismus kein Platz ist, it's a global thing. Für meine Mutter ist es einfach nur Krach.
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Musik taugt als ein Katalysator, wobei die Art der Musik erstmal keine Rolle spielt. Nur genügend Leute müssen sie hören. Aber selbst das bedeutet ja noch nichts, weil die Motivation eine Musik gut zu finden, eben immer eine andere ist.
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Was ich meine: Schwierig ist es, das politische an der Musik zu vermitteln, wenn es doch so sehr von den eigenen Erfahrungen abhängt.
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Stimmt, Mama. Wenn der Kontext fehlt oder anders ist, dann funktioniert auch die Musik anders.
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kommentare
Ich glaube, wir haben das jetzt beide gemacht.
gHack, 22.06.21, 11:33
20jahre.antville.org
tobi, 22.06.21, 09:35
Ja klar!
Mama, 22.06.21, 08:10
danke für den schönen text. darf ich den auf 20jahre verlinken?
tobi, 22.06.21, 06:28
Ist das sowas wie i-mode?
Mama, 29.05.14, 00:00
Internet kann man ja neuerdings mitnehmen. Dass WAP sich doch durchsetzen würde...?!
fernsehratgeber, 20.05.14, 21:43
musik
